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Yasmeen Godder (Tel-Aviv, New York): «Storm End Come»

DEine Reise in unvorhersehbare, komplexe psychische Zustände in einem sich ständig verändernden Kontext – das ist «Storm End Come» von Yasmeen Godder. Die israelische Choreografin hat sich bereits 2009 bei Tanz In. Bern mit «Singular Sensation» vorgestellt. Nun kommt sie wieder mit einer abstrakteren Arbeit, aber in derselben theatralischen Expressivität und Intensität. Was der Mensch von sich weiss, so wissen wir seit Sigmund Freud, ist nur die Spitze des Eisbergs. Jene Kolosse des Eismeers sind bekanntlich unter Wasser weit gewaltiger als oberhalb. Nur etwa 10 bis 20 Prozent ihrer Masse ragt über die Oberfläche hinaus, der Rest verbirgt sich darunter. Ähnlich verhält es sich mit dem menschlichen Bewusstsein. Ihm liegt ein viel grösserer Teil von Unbewusstem zu Grunde: als verstecktes Anderes, welches auch das Bewusstsein regiert und weitgehend bestimmt, was diesen Menschen treibt. Seit Freuds Entdeckung des Unbewussten haben sich immer wieder einzelne Tanzschaffende mit den triebhaften und unzugänglichen Schichten des Menschen befasst. Seit den späten 1990er Jahren haben sich zunehmend mehr Choreografinnen und Choreografen auf Forschungsreise am nicht-kontrollierbaren Körper begeben. Und Darstellungen des Triebhaften, Chaotischen, Hässlichen haben zunehmend Einzug auf die Tanzbühnen gehalten. Solche Forschungen sind gerade für Tanzschaffende von besonderer Bedeutung, verfügen doch Tänzerinnen und Tänzer über eine besonders gut ausgebildete Kontrolle ihres Körpers. Die Aufgabe mutet denn auch paradox an: Das Unbewusste, Animalische und Unkontrollierbare wird dargestellt von Körpern, die in höchster Anstrengung und jahrzehntelangem Training den Anforderungen der Kunst und der Künstler gefügig gemacht wurden. Gezeigt hat sich aber gerade, dass das Unschöne – wie das Schöne – von den best trainierten Tänzern am glaubhaftesten dargestellt wird. Davon zeugt auch Yasmeen Godders «Storm End Come», das im Februar dieses Jahres in Tel Aviv uraufgeführt wurde. Es befasst sich mit einer Gefühlswelt, die vor der sozialen Ordnung existiert, und es beruhe, wie Yasmeen Godder in einem Interview erklärte, auf ganz persönlichen Antworten der Tänzer auf die Frage nach ihrer Identität. Die Fragen stellte Itzik Guili, ihr langjähriger Arbeitspartner; sie selbst, die Choreografin, sei später dazu gestossen und habe das ihr dargebotene Material aus der Distanz gesichtet und geordnet. Das Stück beginnt mit einer Tänzerin, die auf allen Vieren langsam rückwärts gleitet, den Körper rhythmisch zusammenziehend, als müsste diese innere Welt zum Leben erweckt werden. Allmählich treten die fünf anderen dazu und drehen sich in eigenen Tänzen um die innere Unrast. Die Körper zucken und zittern in einem Überfluss von Energie, die nach aussen dringen will; und die Rituale, so undurchsichtig sie scheinen, entwickeln einen eigenartigen Sog. «Storm End Come» ist das achte abendfüllende Stück von Yasmeen Godder. Die Israelin wurde in Jerusalem geboren und wuchs dort auf, zog aber 1984 mit ihren Eltern nach New York, wo sie an der High School of the Performing Arts und an der Tisch School of the Arts studierte. 1999 liess sie sich in Jaffa nieder. Ihre Stücke werden regelmässig vom Suzanne Dellal Dance Center in Tel Aviv präsentiert wie auch von renommierten Festivals wie etwa dem Lincoln Center Festival New York, dem Tokyo International Festival oder Montpellier Danse. Sie hat mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter 2001 einen Bessie Award für «i feel funny today». FDans «Storm End come», les interprètes embarquent pour un voyage à travers des états mentaux fluides et imprévisibles qui les conduisent à des rencontres et des interactions dans des environnements changeants. Dans cette atmosphère instable, la pièce révèle un monde qui se penche sur la conception de son „moi“ lorsque qu’il est remis en cause par la peur primaire de ne pas exister et de disparaître en quelqu’un d’autre, additionnée à l’attraction et à l’inquiétude exercées par l’idée de la transformation. Au sein de cette énigme, il y a toujours le besoin d’atteindre des sommets, de montrer des moments d’expression personnelle et d’être témoin de l’intimité de quelqu’un d’autre. Fort de tous ces éléments, le spectacle se concentre sur le combat pour faire renaître sa propre identité, à travers une série de séquences personnelles, collectives et animales; une sorte d’insistance héroïque, pathétique et vulnérable à se définir soi-même, entravée par le besoin de se soumettre à des éléments qui échappent à notre contrôle.EIn “Storm End Come” the performers embark on a journey of fluid and unpredictable mental states, which lead them to meetings and interactions in shifting environments. Within this unstable atmosphere, the work unravels a world which looks at one’s assumption of „self“ as it is challenged by the basic fear of non-existence and of disappearing into someone else, alongside the attraction and alarm of transformation. Within this conundrum, there is still the need to reach small climaxes, expose moments of personal expression, and be a witness of someone else’s intimacy. Embodying all of this, the work looks at the struggle to rebirth ones‘ identity through a series of personal, collective and animalistic sequences; A kind of heroic, pathetic and vulnerable insistence to define oneself, hindered by the need to submit to elements which are beyond our powers.