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Ursle von Guy Krneta

«won i bi uf d Wäut cho / isch dr Urs scho im Himu gsi / dr Urs isch drü gsi / i bi sächsi / dr Urs isch en Ängu gsi / säge myni Aute / aber won r usem Fänschter gflogen isch / het r nid chönne flüge»

 

So beginnt der Text des preisgekrönten und in mehrere Sprachen übersetzten Theaterstückes Ursle von Guy Krneta. Ursle ist sechs und Einzelkind. Ihr Bruder war drei. Sie kennt ihn nicht, aber wird immer wieder an ihn erinnert. Ihre Eltern decken den Tisch für ihn mit, er ist das leuchtende Vorbild. Wo immer Ursle ist, ist auch Urs. Und deshalb dreht sich alles in ihrem Leben um den tödlich verunglückten Sohn. – Der Komponist Jean-Luc Darbellay hat aus Guy Krnetas Theatermonolog ein Stück für eine sprechende und singende Geigerin geschrieben.

 

Im ersten Teil des Abends liest Guy Krneta aus seinem neuen Manuskript für Kinder und Erwachsene. «Jubaira» erzählt die Geschichte eines Kindes, das sich seine eigene Wahrheit der Welt erfindet.

 

 

Noëlle-Anne Darbellay, 1980 in Bern geboren.

Studien an der Hochschule der Künste Utrecht bei Karen Turpie und an der Hochschule Genf/Neuchâtel bei Stefan Muhmenthaler. Seither ist sie seine Assistentin im Bereich der zeitgenössischen Violinliteratur. Wichtige Impulse erhielt sie von David Takeno, Bruno Canino und Siegfried Palm. Als Solistin trat sie u.a. mit der Sinfonietta Luxembourg in der Philharmonie Luxembourg, am Musiksommer Ernen, an den ISCM World New Music Days, Music Documents in Tokyo und dem Festival International de Musique Tibor Varga in Sion auf. Sie ist Mitgleid des Ensemble Orion und spielt beim Kammerorchester Basel, Nouvel Ensemble Contemporain und dem Chamber Aartists Orchestra (Chaarts). Ein besonderes Interesse von Noëlle-Anne Darbellay gilt der neuen Musik und dem Musiktheater. Als singende und rezitierende Geigerin brachte sie zahlreiche Kompositionen zur Uraufführung mit Produktionen am Deutschlandfunk und auf Espace2. Im Duo mit Samuel Stoll, für welches u.a. Jürg Wyttenbach und Manos Tsangaris geschrieben haben, setzt sie sich mit dem Spannungsfeld zwischen zeitgenössischer Komposition und künstlerischer Performance auseinander. 2011 erhielt sie den Anerkennungspreis für Musik des Kantons Bern.

 

Guy Krneta, geboren 1964 in Bern und lebt als freier Schriftsteller in Basel.

Nach Studien der Theaterwissenschaft in Wien ging Krneta 1986 ans Theater, wurde Regieassistent am Stadttheater Bern und am Theater Basel, war Co-Leiter des Theaterfestivals «auawirleben» in Bern sowie Dramaturg an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und am Staatstheater Braunschweig. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz arbeitete er als Co-Leiter des Theaters Tuchlaube und als Dramaturg beim Theater Marie in Aarau. Krnetas vielgespielte Theaterstücke und Prosatexte wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2003 mit dem Welti-Preis der Schweizerischen Schillerstiftung. Auftragsstücke schrieb er unter anderem fürs Theater Basel, fürs Theater Neumarkt in Zürich sowie für die von ihm mit begründeten «Matterhorn Produktionen» in Basel.

Als Mitglied der Spoken-Word-Formation «Bern ist überall» gilt Krneta als Wegbereiter einer zeitgenössischen literarischen Mundart. Die Grenzen zwischen Text und Musik lotet er auch aus in der Zusammenarbeit mit Greis und dem Musiker Apfelböck.

 

Jean-Luc Darbellay, geboren 1946 in Bern.

Klarinettenstudium am Konservatorium Bern, Tonsatzstudium bei Theo Hirsbrunner und Kompositionsstudien bei Cristóbal Halffter und Dimitri Terzakis. Meisterkurse an den IMF Luzern bei Klaus Huber, Heinz Holliger und als Assistent bei Edison Denisov, sowie Seminarbesuche in Paris bei Pierre Boulez. Zahlreiche Aufführungen weltweit u.a. an den Weltmusiktagen in Bukarest, Luxemburg, Hong-Kong, Ljubliana, Schweden, in der Schweiz und in Zagreb. Breite Werkpalette vom Solostück über Orchesterwerke zur Chorsymphonik. Kompositionsaufträge u.a. vom Radio Suisse Romande, vom MDR (Requiem für Soli, Chor und Orchester unter der Leitung von Fabio Luisi) und von Radio France fürs Festival Présences. 2010 Schweizer Erstaufführung des „Requiems“ anlässlich des Lucerne Festivals. Saison 2011/12 „compositeur en résidence“ beim Orchestre de Chambre de Lausanne. Gründungspräsident der Schweizer Gesellschaft für Neue Musik und von 2003 bis 2007 Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. «Chevalier des arts et des lettres» des französischen Staates. Verlegt bei Ricordi München.