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Rui Horta: «Solo1/ Cynthia Gonzalez» (P/CH/BO) & Omar Ghayatt/ Studio Moroni (CH/EG): «If I Weren’t Egyptian, …»

Rui Horta: «Solo1/ Cynthia Gonzalez» – eine adaptierte Version von Object Constant (P/CH/BO)Im Juni 2011 zeigte die Grupo Dançando com a Diferença im Rahmen des Community Arts Festival in der Dampfzentrale «Beautiful People», eine Choreografie des bekannten portugiesischen Choreografen Rui Horta. Wir präsentieren nun einen adaptierten Aus­schnitt der abendfüllenden Produktion «Object Constant» – eine der bekanntesten Arbeiten Rui Hortas überhaupt – getanzt von der Bolivianerin Cynthia Gonzalez. Die in Bern lebende Tänzerin und Choreografin hatte dieses Solo im Jahr 2006 in Zusammenarbeit mit der Palucca Hochschule im Rahmen der Tanzwochen Dresden aufge­führt. Nun hat sie das Stück zusammen mit Jose Biondi neu erarbeitet und zeigt den Soloauszug aus dem umfangreichen abendfüllenden Werk.«Solo 1/ Cynthia Gonzalez» ist ein melancholisches und sinnliches Stück über eine Frau und ihre tiefgreifende Enttäuschung nach einer unangenehmen Erfahrung – untermalt von fragmentierten, rauen, zarten, verworren lyrischen und kraftvollen Bewegungen, und ein schützendes Kleidungsstück, das ihre Brüste bedeckt. Ein Versteckspiel mit Momenten der Teilnacktheit über die Flucht von der eigenen Haut. Über Gefühle des Schams und der Demütigung. Ein Solo über Weiblichkeit, darüber, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Eine Frau mit Würde – eine Frau mit Stolz – eine Frau, die Kraft, Zerbrechlich­keit, Scheue, Wut, Verletzlichkeit und Enttäuschung direkt und offen zeigt. Ein Stück über das Antasten der Würde einer zerbrechlichen und gleichzeitig starken Frau, die den Kampf gegen sich selbst gewinnt; den äusserlichen und inneren Schutz fallen lässt und zu dem steht was sie ist. Cynthia Gonzalez absolvierte ein Bühnentanzstudium an der New World School of the Arts in Miami, Florida, und tanzte mit dem Isadora Duncan Dance Ensemble und in der Twyla Tharp Dance Company «Tharp!» in New York. Als Stipendiatin besuchte und trainierte sie auch bei der Alvin Ailey Dance Company und David Parsons in New York City. Sie arbeitete als Tänzerin für bekannte Choreografen wie Gus Solomons Jr., Rui Horta, Robert Battle, Daniel Lewis und Nigel Charnock. 2002 absolvierte sie ein Choreografiestudium an der Palucca Schule, Hochschule für Tanz in Dresden, und die Meisterklasse 2006. Seit mehreren Jahren arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und zeigt ihre Stücke in der Schweiz und im Ausland. Seit 2008 lebt und arbeitet sie in Bern und nahm an Projekten mit Willi Dorner (TANZ IN. BERN 2009), Jennie Arne und Marcel Leemann (Heimspiel Festival Open Doors) Teil. Mit ihren eigenen Produktionen «The Last Breath», «Woman of War» und «CHARGED» prägte sie bis anhin die Berner Tanzszene mit. Omar Ghayatt/ Studio Moroni (CH/EG): «If I Weren’t Egyptian, …»«Der Wassertropfen scheint rein und durchsichtig wie ein Kristall. Doch betrachtet man ihn unter einer Lupe, werden darin Tausende von Unreinheiten sichtbar. Auch der Mond bleibt nur schön und klar, solange er weit weg ist, nähert man sich ihm jedoch, sieht er aus wie ein einsamer, schmutziger Strand. Sogar das Gesicht, das man liebt und dessen frische, rosige Haut einem das Herz erfreut, wird, sobald man es deutlicher sehen kann, zu einem hässlichen, zerknitterten Lappen. In jedem Fall kommt die Wahrheit an den Tag. Unser Gefallen an der Schönheit ist nichts als ein optischer Betrug. Sobald der Blick schärfer wird, erscheinen die Runzeln.»(Alaa al Aswani)Nach dem Erfolg von «Made in Paradise» (2008) von Omar Ghayatt, Yan Duyvendak und Nicole Borgeat – seit dessen Kreation europaweit immer noch auf Tournee – haben sich Omar Ghayatt und Nicole Borgeat erneut für ein gemeinsames Projekt zusammen geschlossen, diesmal mit dem international bekannten ägyptischen Bestsellerautor Alaa al Aswani. Die Idee zu «If I Weren’t Egyptian, …» kam Omar Ghayatt auf dem Weg von Bern nach Genf, als sein Zug plötzlich abrupt abbrem-ste und stillstand. Ein Mann hatte sich vor den Zug geworfen. Omar Ghayatt musste unvermittelt an die unzähligen Ägypter denken, die bereit waren, ihr Leben zu geben, einzig um Europa zu erreichen. Ihr Traum schien offensichtlich jemand anderes Albtraum zu sein. Das war der Moment, in dem der Künstler anfing, darüber nachzu­denken, was es bedeutet, wenn Himmel und Hölle an ein und demselben Ort vereint sind; wenn ein Mensch freiwillig ein Leben aufgibt, für das ein anderer zu sterben bereit wäre. Sind Himmel und Hölle dann nicht einfach Truggespinste unserer eigenen Köpfe? Ist die Art und Weise, wie wir die Dinge um uns herum wahrnehmen, in diesem Fall nicht eine persönliche Entscheidung? Im Try-Out zu «If I weren’t Egyptian, …», welches wir in der Dampfzentrale präsentieren, nehmen uns echte und fiktive Cha-raktere in 30 Minuten visuellem Theater mit auf die Reise in ihre Welt und gewähren uns Einblick in ihr ganz persönliches Para­dies. Es ist eine Reise entlang des feinen Grats zwischen Trug und Wirklichkeit und lässt uns alles – auch uns selbst – mit fremden Augen sehen. Es ist die Reise zum Anderswo. Mit «Anderswo» meint Omar Ghayatt all diejenigen Orte, Menschen, Objekte oder Vorstellungen, auf die wir unsere Wünsche, Hoffnungen und Träume projizieren, so dass schliesslich unser Glück, ja sogar unser Seelenfrieden davon abzuhängen scheint, sie erreichen oder besitzen zu müssen. Dieses «Anderswo», und die Sehnsucht danach, möchte Omar Ghayatt in «If I Weren’t Egyptian, …» illustrieren und analysieren. Das Stück handelt also letztlich nicht von Ägypten oder den Ägyptern, auch nicht von den Europäern oder Europa, vielmehr ist es eine Performance, in der jeder einzelne von uns sein eigenes, ganz persönliches An­derswo findet und wiedererkennt.