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Pink Mama Festival: Yogoboy.com
«Yugoboy.com» ist die Geschichte eines homosexuellen «Yugoboys», der in die Schweiz emigriert ist. Hier trifft er auf eine moderne sexuelle Kultur, die ihn fasziniert und anzieht, weil sie so gar nicht seinen traditionellen Vorstellungen entspricht. Slawek Bendrat und Dominik Krawiecki haben eine mutig und offensive Produktion geschaffen, die nicht nur mit den Klischees der modernen sexuellen Kultur in Westeuropa spielt, sondern diese gekonnt osteuropäischen sexuellen Traditionen und Riten gegenübersetzt, ganz im Stile Marina Abramovics.

Ein junger Mann in Frauenkleidern liegt auf einem grünen Kunstrasen auf dem Bauch und macht die Bewegungen eines Onanierenden. Daneben steht ein Homosexueller, schätzungsweise 20 Jahre alt und erzählt uns seine Vorlieben beim Essen, beim Sex. Als würde der Zuschauer eine Chat-Konversation mitverfolgen, erfahren wir nach und nach mehr von ihm.

Chatrooms, Darkrooms oder masochistische Phantasien definieren die «moderne Sexualität» für ihn. Dem gegenüber steht die Szenerie auf dem Gras, die das «Traditionelle» darstellt – die Handlung des Onanierenden basiert auf der Arbeit «Balkan Epic» der polarisierenden Künstlerin Marina Abramovic aus Belgrad.

Der Balkankonflikt der 90er Jahre hat die weltbekannte Künstlerin Abramovic schwer beschäftigt und dazu bewegt, ihre serbischen und montenegrinischen Wurzeln zu erforschen. Daraus entstand die Arbeit «Balkan Epic», mit dem Teil «Balkan Erotic Epic». Darin präsentiert Abramovic archaische Rituale, die durch erotische Energie das Glück bringen sollten. So stieg beispielsweise der Ertrag der Ernte, indem die Männer auf’s Feld onanierten. Was der junge Mann auf der Bühne auch tut. Oder Frauen versprachen sich ewige Treue von ihren Gatten, wenn sie sich für eine Nacht einen Fisch in die Vagina steckten und ihn am nächsten Tag in Pulverform ihrem Mann servierten. Mit diese Bildern macht Abramovic auf die Nichtanerkennung alter Praktiken aufmerksam und vertieft eines ihrer favorisierten Themen: die Beziehung zwischen Körper, Sex und Tod in der Populärkultur ihres Landes. Und nun nehmen der Schauspieler Krawiecki und der Tänzer Bendrat diese Thematik auf und erschaffen daraus ein unerschrockenes Tanztheater.

Choreographie: Slawek Bendrat, Konzept/Regie/Text: Slawek Bendrat, Dominik Krawiecki, Performance: Slawek Bendrat, Dominik Krawiecki

 

Biographie Slawek Bendrat
Nach seiner Mitgliedschaft bei der polnischen Akrobatik-Nationalauswahl absolvierte Sławek Bendrat ( PL) eine Ballettausbildung an der Ballettschule Poznan. Danach tanzte er fünf Jahre im Polish Dance Theatre in Poznan. Es folgten Engagements als Tänzer am Theater Nordhausen, am Luzerner Theater und dem Ballet National de Marseille bei Frederic Flamand. Seit 2009 wohnt Sławek Bendrat in Bern und arbeitet als freier Tänzer, Choreograph und Tanzlehrer u.a. an der New Dance Academy Bern.

 

Biographie Dominik Krawiecki
Der Schauspieler Dominik Krawiecki (F/PL) studierte Theaterwissenschaften in Krakau. Er gründete das Off-Theater «Zaklad Krawiecki», das bis heute mit viel Erfolg spielt. Mehrfach trat er als Regisseur und Teilnehmer bei nationalen und internationalen Theaterfestivals und -wettbewerben in Erscheinung. Er spielte in Polen, Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Viele seiner Produktionen entstanden in Zusammenarbeit mit Slawek Bendrat, mit welchem er und Simon Reimold die Company Pink Mama Theatre gründete.