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Massimo Furlan/Numero23Prod.: «You can speak, you are an animal»
Einführung: Freitag, 23. April um 19:00 Uhr von Sylvia Mutti, Kunsthistorikerin, Journalistin und Mitglied des Teams Vermittlung im Kunstmuseum Bern.

Wie schon in vorhergehenden Produktionen wie «Palo Alto» oder «Sono qui per l’amore» zaubert Massimo Furlan anhand von stehenden Bildern, den «images longues», eine unwahrscheinliche Geschichte auf die Bühne. Die Kraft der Musik, die Schönheit und Fremdartigkeit der Bilder, die überzeugte Präsenz der Interpreten und die Achtsamkeit, die auch den kleinsten Details entgegengebracht wird sind beeindruckend. Dabei spielt die Musik der englischen Post-Punk-Band Killing Joke eine zentrale Rolle. Sie treibt mit ihrem stossenden und hypnotisierenden Rhythmus voran und aus dem Nebel tauchen nacheinander skurrile Figuren auf: ein Wilder aus Neuseeland, sexy Manga-Kreaturen, ein übergewichtiger, glatzköpfiger Idiot in kurzen Hosen, ein strubbeliger Sänger und immer wieder ein Bär. Die Entstehung des Stücks hat sich stark am Wesen des Bärs orientiert, der sich durch Widersprüchlichkeiten auszeichnet und verschiedene Wesenszüge verkörpert: einerseits angst?einflössend aufgrund seiner Kraft, wild und ein Räuber, andererseits eingekleidet, gebildet, zivilisiert und als Tanzbär vorgeführt. Ein Tier, das eine Stimme hat aber nicht spricht; das sich aufrichten kann wie der Mensch aber auf vier Pfoten geht. Der Bär wurde seit der Urgeschichte verehrt und war bis ins Mittelalter ein heidnisches Kultobjekt. Im Mittelalter wurde er gejagt, verfolgt und ausgerottet. Er wurde eingekleidet und auf Jahrmärkten vorgeführt, ausgestellt wie ein Zirkustier. Er verlor durch den Kontakt mit dem Menschen immer mehr seine Tiernatur und verwandelte sich zu einem gebildeten Wesen. Später wurde er zu einem Objekt und Fetisch für Kinder, geliebt und misshandelt, unverzichtbarer Begleiter, albernes Maskottchen, Zeichentrickfilmfigur.«You can speak, you are an animal» ist ein feinfühliges Stück mit einer unerhörten und überwältigenden Poesie.