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Massimo Furlan/NUMERO23PROD.: «1973»
Mit Textpassagen in französischer Sprache Werkeinführung: Fr, 25. März, 19:00 Uhr von Julia Wehren, ITW Bern.

«1973» ist eine unterhaltsame Musikperformance für Nostalgiker. Waren Sie 1973 schon auf der Welt? Das Jahr bescherte der Welt die erste Ölkrise, einen Militärputsch in Chile und das Ende der Diktatur in Griechenland. 1973 hiess der Eurovision Song Contest noch Grand Prix Eurovision de la Chanson, und Patrick Juvet vertrat die Schweiz in Luxemburg. Er sang «Je vais me marier Marie» (Marie, ich werde heiraten) und landete damit abgeschlagen im letzten Drittel – überholt sogar von den Deutschen, welche die dänische Sängerin Gitte ins Rennen schickten. Den Sieg heimste Gastgeber Luxemburg übrigens gleich selber ein. Der Grand Prix von 1973 ist ein Ereignis, das den Lauf der Geschichte kaum beeinflusste und doch Teil des kollektiven Gedächtnisses ist. Nun holt der Schweizer Künstler Massimo Furlan diesen Abend auf die Bühne zurück: nicht als billige Retro-Show, sondern als sorgfältige und liebevolle Rekonstruktion. Gesungen wird live, in all den zungenbrecherischen Landessprachen, den unsäglichen Kostümen und Frisuren – und fast alles von Furlan selbst. In «1973» werden die Historizität der Popkultur, die Mechanismen des Erinnerns und Vergessens reflektiert und gleichzeitig erfahrbar gemacht. Gekonnt unterläuft die Performance scheinbar einfache Zuschreibungen wie richtig oder falsch, intelligent oder idiotisch, lächerlich oder würdevoll. Auf der Bühne zu erleben sind zudem der Anthropologe Marc Augé, der Philosoph Serge Margel und der Musikwissenschafter Bastien Gallet als sie selbst.Ausgangspunkt für Massimo Furlans Arbeiten ist immer das eigene Erleben. Er analysiert die vielschichtigen Kreuzungspunkte von individueller Biografie und gesellschaftlichem Ereignis, verdichtet sie in seinen Tableau-vivant-artigen Bühnenstücken zu tiefgründigen Bildern oder holt sie durch Re-Enactments in die Gegenwart zurück. Wie etwa in «Furlan/Numero23», wo er (allein) den Fussball-Weltcup-Final zwischen Italien und Deutschland von 1982 nachstellte. Furlan kramt im Archiv des Populären und destilliert daraus Performances, die gleichzeitig radikal und sehr zugänglich sind.