Highlight Video

Martin Rev (USA) / Bit-Tuner / Fell (CH/NL)

21.30 Fell
22.30 Martin Rev
23.45 Bit-Tuner


Martin Rev bildet zusammen mit Alan Vega eine der legendärsten Bands überhaupt: Suicide. In der Blüte des Punk Mitte / Ende der 70er-Jahre, sind Suicide als Vorgruppe für beliebte Punkrock-Bands wie The Clash oder Ramones aufgetreten und wurden regelmässig ausgebuht und körperlich drang­saliert – es war wohl noch zu früh für das Punk-Publikum, um zu akzeptieren, dass es für Rock’n’Roll weder Gitarre noch Schlagzeug braucht. Und es ist Rock‘n’Roll, was Vega und Rev seit ihrem Debutalbum von 1977 mit Drumbox, repetitiven Synthesizer-Melodien und Gesang darbieten. Martin Rev ist ein cooler Hüne, der selten ohne Lederkluft und Sonnenbrille anzutreffen ist. Und abgesehen davon, dass Vegas prägnante Stimme dasjenige ist, was Suicide absolut einzigartig macht, schlagen Revs Solostücke musikalisch in dieselbe Kerbe – bis hin zu neu interpretierten Suicide-Klassikern, die er im Liveprogramm führt. Wir freuen uns Martin Rev nach 4-jähriger Pause zum zweiten Mal in der Dampfzentrale will­kommen zu heissen.
 
Ebenfalls zum zweiten Mal zu Gast bei uns ist Bit-Tuner, für uns einer der grossen Meister der helvetischen elektronischen Musik. Lange Zeit schufen die drei britischen Ex-Metaller und -Hardcorer Mick Harris (alias Scorn), Kevin Martin und Justin Broadrick (Techno Animal) so ziemlich die einzige rein elektronische und auf Beats ausgerichtete Musik, die das Herz eines Techno Revolution-Zweiflers und Rock’n’Roll-Anhängers höher schlagen liess. Und dann kam da doch ein St. Galler und hat das auch geschafft! Trotz Anleihen an HipHop, Dubstep  und andere Muster der Clubmusik-Entwicklung der letzten Jahrzehnte lassen Bit-Tuners Tracks selbst den steifsten Indie-Rocker in die Knie gehen. Genau darum mag man auch aus dem Staunen herauskommen dass ein Eidgenosse die Beats legte für einen hartge­sottenen Brooklyner Rapper, so geschehen auf der grossartigen Kollaboration mit Sensational vor wenigen Jahren.

Fell sind der Holländische Klangtüftler Toktek und der Schweizer Drummer Simon Berz. Toktek ist ein kauziger Elektroniker, der optisch eher an Bonnie Prince Billy erinnert als an den üblichen Sampling-Nerd. Aber auch seine Spielweise unterscheidet sich markant von der des stoischen Laptop-Musikers; Toktek spielt seine selbstgebauten Tools und Controller in erfrischend humorvoller und physischer Weise – er ist ein sich verausgabender moderner Wilder mit spastisch wirkender Motorik, und keiner dieser hochkonzentrierten Soundverwalter im fahlen Schein des Bildschirmlichtes. Dazu passt natürlich bestens das physischste aller Instrumente, das Schlagzeug. Obwohl auch Simon Berz kein «normaler» Schlagzeu­ger ist, denn auch sein Instrument ist elektronisch unterwandert, sendet analoge elektronische Sounds und Feedbacks. Berz spielte in den letzten Jahrzehnten mit der Gilde der Schweizer Impro- und Jazz-Szene, aber auch mit Jimi Tenor und Apparat zusammen. Auch bei Fell trifft rhythmische Elektronik auf Rock‘n’Roll-Grooves.