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Marion Ruchti: «ZONE OUT» / T 4 2 Dance Projects (Félix Duméril & Misato Inoue): «Mukashi Mukashi. Es war einmal.»

«ZONE OUT – I gaze above the heads of the dancers and zone out» Stell Dir vor, du sitzt in einer zeitgenössischen Tanzperformance und fühlst Dich im Stich gelassen. Du weißt nicht, worum es geht. Du findest keinen Zugang. Du fragst dich, was das Ganze soll. Du driftest ab. Genau hier setzt ZONE OUT an.ZONE OUT ist eine Reflexion über die Wahrnehmung des Publikums. Als Ausgangspunkt dienen in Interviews gesammelte Erfahrungsschilderungen verschiedener Zuschauer. Daraus wird eine mögliche Gefühlspalette des Betrachtens etabliert und als Collage angeboten: Komplettes Unverständnis, Langeweile, das innige Bedürfnis, lieber an einem anderen Ort zu sein, Freude, Argwohn, Missfallen, Peinlichkeit, Wut, ungeduldiges Abwarten, Komik, der Wunsch nach Harmonie. Diese unterschiedlichen Eindrücke und Empfindungen, die jeder Zuschauer schon einmal erlebt haben mag, werden auf der Bühne evoziert und provoziert, vermittelt und ausgehandelt, angestrebt und alsbald unterwandert. ZONE OUT verbindet heterogene Elemente wie Tanz, Video und Sprache und spielt mit Szenenwechsel, Momentaufnahmen und absurden Situationen. Der Einsatz von Video stellt die Verbindung zwischen Tanzenden und Zuschauenden her und fungiert als Kommentar. Die erste Aufnahme ist diejenige eines geschlossenen Notizheftes. Es wird geöffnet und die erste leere Seite wird beschrieben.«Mukashi Mukashi. Es war einmal.» Im Tanzstück «Mukashi Mukashi» (japanisch «Es war einmal.») dienen bekannte Märchensymbole und- figuren als Ausgangsmaterial für die Bewegungssequenzen der vier TänzerInnen. Mit zeitgenössischer Bewegungssprache begegnen die Darsteller Zeichen aus dem Symbolreichtum unseres kollektiven Unbewussten, wie sie in Märchen seit Jahrhunderten in einfacher, knapper und präziser Form weitergegeben werden. «Mukashi Mukashi» behandelt den Bereich zwischen hell und dunkel, schwarz und weiss – es oszilliert virtuell mit den vier Protagonisten und ihren unterschiedlichen Fantasiewelten durch innerpsychische Grauzonen. Wie in den alten Erzählungen, so wird auch auf der Bühne geliebt, gelebt, gelitten, gebacken, gefeiert, sich verirrt und am Ende immer irgendwie gewandelt. Denn nicht zuletzt ist das Märchen ein erzählerischer Ort der «rite des passage», ein Ort, der die Protagonisten verändert, verwandelt und gereift in die Welt entlässt. «Mukashi Mukashi» ist eine archäologische Recherche nach dem Reichtum unseres kollektiven Symbolfundus. Tiefgründiges wird auf witzige, dynamische und sinnliche Art für die Bühne ausgegraben. Eine neue physische Auseinandersetzung mit Symbolen alter Zeiten. Ein Stück, das sich humorvoll und skurril mit der Zeitlosigkeit von Märchenmotiven auseinandersetzt und diese in einen zeitgenössischen Kontext zu übersetzen versucht.