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Lurelure / Marion Allon: «Lonesome Birds» (Kurzstück) & Emma Murray (CH/NZ): «naturalcauses»

«Lonesome Birds»

 

Als Marion Ruchti war sie schon mehrmals in der Dampfzentrale zu Gast. Im November 2010 zeigte sie ihr Projekt «ZONE OUT», eine Reflexion über die Wahrnehmung des Zuschauers während einer Performance. Im Juni 2010 präsentierte sie mit dem Tanzkollektiv trio 7d9 (Marion Ruchti, Christos Strinopoulos, Xenia Themeli) die Premiere von «Rush». Nun zeigt Marion Allon mit ihrer Kompanie Lurelure das Kurzstück «Lone­some Birds» – ein Tanzsolo, das mit der fran­zösischen Tänzerin Anne Palomeres entstanden ist.

 

Eine Frau mit einem ausgestopften Mäusebussard und einem Fuchs in einem Raum. Die Frau, auf den ersten Blick überheblich, kalt und undurchschaubar, zeigt immer mehr auch andere Seiten ihrer Gefühlswelt: Einsamkeit und das Verlangen nach Nähe sickern durch. Der Mäusebussard, zu Beginn getragen wie eine Trophäe, wird zum engen Vertrauten. Die Sehnsucht nach Nähe scheint – in Berührung mit seinen feinen Federn – Erfüllung zu finden. Doch diese ist nur von kurzer Dauer – Distanz stellt sich ein, eine Verkörperung von animalischen Seiten, die an Verrücktheit grenzt. Der Fuchs wird zum zweiten Vertrauten und bleibt trotzdem unerreichbar. Anziehung und Abstossung, Faszination und Misstrauen lösen einander ab. «Lonesome Birds» handelt von unterdrückten Wünschen und Gefühlen, die nur zögerlich an die Oberfläche dringen.

 

 

«naturalcauses»


Ausgangspunkt für Emma Murrays Solo-Performance «naturalcauses» ist das verheerende Erdbeben in ihrer Heimatstadt Christchurch, das vor ziemlich genau einem Jahr fast 200 Tote gefordert hat. Nach der Katastrophe war die Choreografin vor Ort und beobachtete das Aufkommen eines grossartigen Gemeinschaftsgefühls unter den Betroffenen. Beeindruckt von diesem überraschend und unerwartet positiven As­pekt der Katastrophe, stellt Emma Murray folgende gewagte Frage: Unter welchen Umständen wünschen wir Menschen uns solche ver­heerende Ereignisse möglicherweise herbei, um Verbindungen untereinander zu spüren, die uns sonst versagt bleiben?

 

Im Hinblick auf diese absurde Idee hegt die Performerin Fantasien apokalyptischen Ausmasses und übernimmt die Rolle der Heldin, welche die Menschheit rettet. In dieser Rolle glaubt sie endlich ihr Epizentrum gefunden zu haben und sehnt sich nach der transformativen Erfahrung der Katastrophe. Die Tänzerin findet zum Körper selbst – und zur berauschenden Sinnlichkeit von Nahtod-Erfahrungen. Sie flirtet mit potenziell lebensbedrohlichen Objekten, in der Hoffnung, dass diese ihr den Kick ihres eigenen Sterblich-Seins verschaffen. Muss Emma Murray schliesslich tanzen, um die Dinge ins Wanken zu bringen?


Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung von Emma Murray: Sa, 28. Januar. Moderation: Roberto Fratini Serafide.

 

Lurelure / Marion Allon: Konzept, künstlerische Leitung: Marion Allon. Choreografie: Marion Allon in Zusammenarbeit mit Anne Palomeres. Tanz: Anne Palomeres. Licht: hellblau. Maske: Heike Bechtold. Bau Requisiten: Markus Schrag. Musik: «Night of the Hunter», LOLE1, Musica Leggiadra. Bearbeitung Musik: Julian Sartorius. Fotos: Christian Glaus. Produktion: Lurelure. Unterstützung Produktion: Burgergemeinde Bern. Koproduktion: Dampfzentrale Bern.

 

Emma Murray: Konzept, Performance: Emma Murray. Dramaturgie: Oded Littman. Musik: Thomas Jeker. Bühnenbild: Jasmin Wiesli. Lichtdesign: Demian Wohler. Projektleitung: Eliane Keller. Administration: Daniela Burn. Videoaufnahme: Oliver Neubert. Unterstützt von: KulturStadtBern, Erziehungsdirektion des Kantons Bern, Schweizerisches Erdbebeninstitut ETH Zürich, Burgergemeinde Bern, Mobiliar Genossenschaft Bern. Danke an: Bewohner von Christchurch für ihre Zeugenaussagen, Verein Marcel Leemann, Françoise Horle, SSA, Roberto Fratini Serafide.