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Laurence Yadi, Nicolas Cantillon – Compagnie 7273 (Genf): «Romance-s»

Die Verleihung des Schweizer Tanz- und Choreografiepreises hat am Festival TANZ IN. BERN bereits Tradition. Dieses Jahr geht der mit 30’000 Franken dotierte Preis an die Genfer Compagnie 7273 von Laurence Yadi und Nicolas Cantillon. Die beiden zeigen anlässlich der Preis-Gala das Duo «Romance-s»: eine getanzte Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen und mit zahlreichen Anspielungen auf die zeitgenössische Tanz-Theater-Geschichte. Es ist ja nicht so, dass das Tanzpublikum auf ein Stück über Liebe und Romantik warten müsste. Die Ballettliteratur ist ohne den romantischen Pas de deux kaum vorstellbar: Und auch im zeitgenössischen Tanz nimmt Liebe einen prominenten Ort ein – wenn auch hier häufig die Kehrseite des grossen Gefühls ins Licht gerückt wird. Laurence Yadi und Nicolas Cantillon haben einen überraschenden Ansatz gefunden. «Romance-s» (2009) geht aus von jenem Gefühl des Verliebt-Seins und dreht sich um die Liebenden, ihren Körper, den Raum zwischen ihnen und den gemeinsam Raum. Was ist dieser Körper, den ich liebe? Was ist dieser Körper, mit dem ich tanze? Welches sind die verschiedenen Zustände, in denen sich dieser Körper befindet? Und was sagt mir dies über meinen eigenen Körper? Die Fragen haben sich Laurence Yadi und Nicolas Cantillon bei ihrer Studie über Körper und Raum gestellt, und die Fragen werden auch die Zuschauenden dieser „Romance s“ bewegen.Der Plural lässt aufhorchen. Er verweist auf die universelle Verortung des Themas. Romanze, el romance, ist eine zumeist 16-silbige Verserzählung, aus der spanischen Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts. Romances sind aber auch sentimentale Liebeslieder sowie Liebesromane der bewegenden Art. Sie folgen einem Muster, das hier auf die Probe gestellt wird und über das hinaus der Tanz der beiden Körper zu gehen versucht, in tiefer liegende Schichten des Gedächtnisses. Laurence Yadi und Nicolas Cantillon haben in «Romance-s» ihre eigenen Liebes-Erfahrungen in Szene gesetzt, aber auch ihre Vision von Kunst sowie ihre Rezeption der Tanzgeschichte. Und so erleben wir einen Pas de deux der ungewöhnlichen Art. Da sind Bewegungen, die an Begegnungen erinnern, die man anderswo gesehen hat. Da sind Begegnungen, die man zu erkennen glaubt – bis sie, gewissermassen mitten im Zitat, abbrechen. Während die Augen der beiden Tanzenden ständig auf Begegnung bleiben. Mit der Compagnie 7273 wird ein junges Duo mit dem diesjährigen Schweizer Tanz- und Choreografiepreis von ProTanz und der Stiftung Corymbo aus Mitteln des Annette-Ringier-Fonds ausgezeichnet. Die beiden Künstler haben im Laufe ihrer neunjährigen Zusammenarbeit bereits ein bemerkenswertes Werk von 12 Stücken geschaffen. Nicolas Cantillon wurde 1972 in Melun geboren, Laurence Yadi 1973 in Argentueil, Frankreich. Er war Sänger und Gitarrist in der Band Cryse 17, als er beschloss, das Tanztraining am Conservatoire de danse Marius Petipa aufzunehmen. Sie studierte erst Sport, bevor sie 1991 mit einem Stipendium an das Alvin Ailey Center nach New York ging. Die beiden arbeiteten mit verschiedenen Gruppen wie J. Art Ballet in Paris oder Alias, Genf, zusammen. 2003 gründeten sie ihre eigene Kompanie 7273, und im selben Jahr kreierten sie mit unmittelbarem internationalen Erfolg ihr erstes gemeinsames Stück, «La vision du lapin», das die üblichen Formen von Repräsentation hinterfragt. 2004 folgten «Simple Proposition» und 2006 das Solo «Climax», das mehrmals überarbeitet und weiterentwickelt wurde und das auch als Modell für das Stück «Merry-Go-Round» mit dem Ballet Junior de Genève diente. Ihre neuste Arbeit «Nil» (2011) ist ein Stück für sechs Tänzerinnen und Tänzer und ist aktuell in der Schweiz und im Ausland auf Tournee. Im Oktober 2011 stehen Laurence Yadi und Nicolas Cantillon mit einer Neuinszenierung von Stravinskys «Petrouschka» für das Ballett des Grand Théâtre de Genève für die «Soirée Ballets Russes» des Genfer Opernhauses auf der Bühne. F«Romance-s» puise dans l’expérience amoureuse pour créer une pièce dont la trajectoire arpente le territoire du couple et celui de la danse, l’un et l’autre voués à s’imbriquer, se transformer, se questionner.Face à face, les danseurs inaugurent la pièce par un cri muet qui d’emblée place le couple sous le signe de l’intranquillité. Accrochés l’un à l’autre par le regard, ils s’approchent, se provoquent, se dérobent dans un flux progressif qui fait alterner les figures antagonistes : se toucher, se séparer, s’enlacer, se faire mal, tenir, défaillir… Le corps de l’un met toujours en mouvement le corps de l’autre, dans une interaction subtile où les pouvoirs se distribuent, se mesurent, s’échangent. Proie ou prédateur, luttant pour leur survie ou leur territoire, les danseurs sont aussi traversés par la beauté de l’idéal amoureux du ballet romantique. On en trouve des réminiscences avec sa dynamique ascensionnelle en rapport à la gravité qui entraine les corps vers le sol, dans un retour au réel. Toutes ces micro-tentatives vont monter en puissance et s’intensifier dans un flamenco revisité par les chorégraphes.EThe Swiss Dance and Choreography Award Ceremony is traditionally held at the TANZ IN. BERN Festival. This year’s prize, worth 30,000 Swiss francs, goes to Laurence Yadi and Nicolas Cantillon’s Geneva-based company 7273. During the ceremony, they will perform their duet “Romance-s”: love’s highs and lows represented in dance. “Romance-s” is a contemporary love story told through an elegantly simple pas de deux, with numerous references to the history of dance. “Romance-s” draws on the experience of being in love in order to create a dance piece in which the territory of the couple and that of the dance are surveyed and measured, these areas being destined to become interwoven and transformed as they are explored and questioned. “Romance-s” is a study of bodies and the space between them, a space common to both love and the dance. What is this body that I love? What is this body with which I dance? What are the various states in which this body finds itself? What does it tell me about my own body? To each audience member this is the opportunity for personal exploration.