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Klara & Theater Freiburg/pvc Tanz Freiburg Heidelberg (CH/D): «Hochstapler und Falschspieler»
Publikumsgespräch: Fr, 21.Mai im Anschluss an die Vorstellung. Spieldauer: 1h 30min.

In Zeiten, wo Hochstapelei zum gesellschaftlichen Habitus wird, verlangt dieses Metier höchste Könnerschaft. Wenn man es auf die Bühne setzt, wo jeder genaustens hinguckt, erst recht. Und sich dort auch noch das Hochstapler-Individuum gegen die Konkurrenz von gleich acht Exemplaren akkurat derselben Branche behaupten muss. Zumindest dem äusseren Anschein nach: die gesamte Betrügertruppe scheint wie aus demselben Ei gepellt, vom Seitenscheitel über den kaschmirbraunen Anzug bis zur Turnschuhsohle. Kommt als Herausforderung dazu, dass hier nicht einfach nur die Kunst des Falschspielens gefragt ist, die soll ja auch noch täuschend echt gespielt werden. Aber was macht das schon für einen Unterschied! Doppelter Boden, doppeltes Risiko. Und das bisschen theatraler Mehrwert, dass die Betrügerei wahrhaftig rüberkommt, das macht Klara mit links. Jetzt heisst es bluffen, wie man kann. Das Metier erfordert physische wie psychische Hochleistungsakrobatik. Die Karriereleiter todesmutig hochstolpern, ohne Netz, im freien Fall, und dabei noch gute Figur machen. Motto: Auch wenn ich runter falle, fall ich wieder rauf. Hic Rhodos, hic salta! Hier wird ehrlich gearbeitet: ständig Optimist bleiben und begnadet lügen können, ist eine Kunst! Fremdtäuschung und Selbstbetrug konfliktfrei zu leveln, ist ein Kraftakt! Und wann bitte kann man mal stressfrei seinen lädierten Überlegenheitskomplex kitten? Na wer sagt’s denn: Hochlügen kommt vor dem Fall, danach kommen öffentliche Massenbeichten gegen öffentlichen Unmut. «Sich von dieser Truppe etwas vormachen zu lassen, ist ein Vergnügen. Siegen oder versagen, eine Eins sein oder eine Null sein. Darum geht es. Im Büro wie auf dem Spielplatz.» (baz)«Das Geniale an Fricks Inszenierung ist, dass sie dabei aber nicht auf banales Finanzmarkt_bashing zielt, sondern gerade in der Vermischung von Tanz, Schauspiel und Musik zeigt, dass dieses Gebaren sich nicht mehr in einem bestimmten Segment der Gesellschaft isolieren lässt, sondern längst jeden Einzelkörper ergriffen hat. Das Blendwerk ist allumfassende Körperpolitik vom Börsenparkett bis zur Miniplaybackshow.» (nachtkritik.de)