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Far A Day Cage (Zürich): «PATE I-III»
Spieldauer: 3h 30min (inkl. Abendessen).

Wie funktionieren Gesellschaften? Far A Day Cage setzt die Bereiche Kunst, Familie, Business als gemixte Trinitas auf die Bühne, um gemeinsam mit dem Publikum hinter die Geheimnisse gesellschaftlicher Physik zu kommen. Wie funktioniert Theater? Man verbringt einen Abend mit einer Theatergruppe, sieht ein Kultfilm-Reenactment, sitzt irgendwann mit der Famiglia am Riesentisch, isst und trinkt zusammen italienisch, parliert über Familienbande(n) und informelle Netzwerke im Film und im Business, und erlebt mit grossem Genuss, wie bravourös Theater in Gesellschaft funktioniert. 4 Schauspieler und 5 Zuspieler für eine Mammutfilmtrilogie. Sie sind Famiglia Corleone und lassen sich als deren Gegner aus dem Weg räumen. Gerade wurde kurz und brutal gekillt, schon wird dramatisch geliebt oder kommentierend analysiert und filmisches Insiderwissen verraten. Der Regisseur spielt das, was er am besten kann, den Regisseur. Der Pate, ein Drittel kleiner als der Film-Pate, ist Don Vito Corleone und surplus Marlon Brando. Die FADC-Spieler servieren diverse Realitätsebenen in verblüffenden Wechseln, die praktisch wie dramaturgisch höchsten Mehrwert aus dem kapitalen Abend schlagen. Sie spielen echter als das Original und das Making-of gleich noch mit, sie kochen authentisch sizilianisch, sie machen live richtig gute Musik. Sie beherrschen das Angloamerikanisch mit und ohne Italo-Zungenschlag samt allen Zwischentönen. Irgendwann vermischen sich die Spiel- und Realitätsebenen von Schauspieler, Figur, Filmschauspieler, Filmfigur zu einer gesalzenen Pasta. Nachhause gehen will man nicht, der lange Abend könnte endlos weitergehen. Die Zürcher Gruppe Far A Day Cage (FADC) um Regisseur Tomas Schweigen und die Schauspielerin Vera von Gunten versuchen sich seit ihrer Gründung 2004 an hintergründig unterhaltsamen Theaterabenden und haben sich mit ästhetisch eigenwilligen Arbeiten im Spannungsfeld zwischen Performance, Dokumentar- und Erzähltheater auch international einen Namen gemacht. Der eigene Schaffensprozess wird projektspezifisch stets neu entworfen und als Meta-Ebene mitthematisiert. So entstehen Theater_arbeiten, die zwischen Realität und Fiktion pendeln und eine neue, spielerische Authentizität schaffen, die stets persönlich ist und nichts sein will, was sie per definitionem nicht sein kann.