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Dagobert

Es gibt Lebensgeschichten, die glaubt einem keiner. Der Künstler, der mit Vornamen Dagobert heisst und sich keines Nachnamens mehr erinnern mag, hat eine solche. Nach der Schule im Aargauischen, die ihn schwer depressiv gemacht habe, sei er ordentlich abgeschmiert. In einem Kellerloch habe er zwei Jahre lang seine Gedanken in Musik umgewandelt, dafür sogar einen Preis und Geld erhalten. Also macht er sich auf ins hippe Berlin. Dort haut er sein Geld raus und zermürbt schliesslich am Grossstadt­leben. Fünf Jahre Einsamkeit, gar Abgeschiedenheit in einer Hütte in den Bergen später – eine Art Reue für seine preisgekrönte «Scheiss-Musik» – ist er nun, mit 29 Jahren, seit einiger Zeit wieder in Berlin und dort mittlerweile eine Art Kultfigur. Und mit unironischen Schlagern jetzt für einen Auftritt zurück in der alten Heimat.

Gewandet in schnittige (von seiner Schwägerin genähte) Dandy-Outfits und begleitet von billigen Synthesizern, singt der junge Schweizer ironiefrei übers Heiraten und Kinderkriegen – und zeigt sich von den so produzierten Missverständnissen souverän ungerührt. Bereits vor 2 Jahren, und somit lange bevor man in der Schweiz etwas von diesem ungewöhnlichen neuen Sänger hörte, dessen Nationalität seinem Gesang unschwer anzuhören ist, erhielt er eine ganze Seite im deutschen Magazin «Spex», welches ihm den Berliner Underground-Erfolg prophezeite, den er mittlerweile hat. Mit seinem jetzt erscheinenden ersten Album will er ihn aber auch im restlichen deutschsprachigen Raum einfordern.

Die Vorabsingle «Morgens um halb vier» ist wie alle Songs während der Berghütten-Jahre entstanden und der unsterblichen Liebe zu dem einen Berliner Mädchen gewidmet. Überhaupt könne er nur Liebeslieder schreiben, sagt er. Die Liste der Einflüsse beginnt stilbewusst mit Leonard Cohen und Hank Williams und endet verstörend mit den Scorpions. Auf die Frage, wie ein Schlagersänger zu einem Plattenvertrag beim hochangesehenen deutschen Indie-Label «Buback» (Die Goldenen Zitronen, Tocotronic, Jan Delay, FSK) kommt, gibt es nur die Antwort, dass man Dagobert gehört und gesehen haben muss. Ja, es ist Schlager, was er spielt, aber so wie man ihn noch nie zuvor gehört hat.