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DAGOBERT (CH) (19.5.15)
Afrika Tour 2015

Dagobert ist ein Phänomen: Er bewundert die Soft-Hardrock-Band Scorpions und nennt seine eigene Musik unverhohlen Schlager. Gleichwohl wird er seit ein paar Jahren von den deutschsprachigen Feuilletons in höchsten Tönen gefeiert. So schrieb die deutsche Vogue: «Man merkt, dass man es mit einem radikal und tief Liebenden, kurz mit einem – im besten Sinne – wirklich Wahnsinnigen zu tun hat. Endlich mal kein halbgares Sowohl-als-auch».

Dagobert kommt erneut für ein Konzert in die Dampfzentrale. Er präsentiert sein zweites Album «Afrika», das noch immer von einer einzigartigen Formel Musik geprägt ist: eingängige Ohrwurm-Melodien mit melancholischem Unterton, gesungen von der eigenwilligen Stimme eines exzentrischen Mannes, der sich weder für das Prädikat Schlagersänger noch für seinen Akzent schämt. Doch Dagoberts Songs sind opulenter geworden, was den musikalischen Gästen geschuldet sein mag: Konstantin Gropper, Bandleader von Get Well Soon, steuerte Streicherarrangements bei; Mille Petrozza von der Thrash-Metall-Band Kreator setzte sich als Gitarrist in Szene. Um diesem neuen Sound gerecht zu werden, tourt Dagobert diese Mal mit einer Backingband.

Der Künstler, der mit Vornamen Dagobert heisst und sich keines Nachnamens mehr erinnern mag, stammt aus dem Kanton Aargau. Nach der Schule, die ihn schwer depressiv machte, sei er ordentlich abgestürzt. In einem Kellerloch verwandelte er zwei Jahre lang seine Gedanken in Musik und erhielt dafür sogar einen Förderpreis. Also macht er sich auf ins hippe Berlin. Dort verprasst er sein Geld und zermürbt schliesslich am Grossstadtleben. Nach fünf Jahren Einsamkeit in einer Hütte in den Bündner Bergen – eine Art Reue für seine preisgekrönte «Scheiss-Musik» (O-Ton) – ist der mittlerweile 31-Jährige nun wieder in Berlin und dort eine Art Kultfigur. Sein Debutalbum von 2013 wurde zu Recht als Unikum gefeiert, die Stilschublade «Indie Schlager» extra dafür kreiert.