Highlight Video

Cie. Solo2 (Daria Gusberti & Marion Ruchti, BE): «Eine Billigproduktion» / Paolo dos Santos (GE): «Portable life?»
Publikumsgespräch: Sa, 28.2. im Anschluss an die Vorstellung

«Eine Billigproduktion»«Kulturschaffende müssen sich zwischen Angebot und Wettbewerb bewegen.»«Kein Wunder, sind unabhängige Kulturschaffende einen grossen Teil ihrer Zeit damit beschäftigt, Geld zu suchen, und während sie suchen, müssen sie auch leben, also Mittel erwerben dafür, dass sie ihre Suche fortsetzen können.»«Kultureinrichtungen und Kulturschaffende sollen das Verhalten von profitorientierten Unternehmen simulieren.»(aus: Nationalratsdebatte 1. Okt 2008; unkultur.blueblog.ch; kulturmanagement.wordpress.com)Mit Blick auf ihr Budget und ihr kulturelles Umfeld spart Cie. Solo2 ein und produziert billig. Mit nüchternen Bewegungen kommentieren Marion und Daria die Kulturpolitik. Die beiden ChoreografInnen sind gezwungen, die Kosten der Produktion möglichst tief zu halten. Marion und Daria sparen an Material, an Raum, an Bewegung. Der Wert der einzelnen Aktionen und Personen wird laufend notiert und verglichen. Marion und Daria sind selbst zu teuer. Im Produktionsprozess greifen sie deshalb zu radikaleren Massnahmen: Scheinbar ohne Skrupel stellen sie billige Arbeitskräfte an und verlagern Teile der Produktion ins Ausland. Profitorientiertes Verhalten schimmert durch. Cie. Solo2 entzieht sich somit langsam dem Arbeitsprozess und delegiert an andere. Eine Assistenzperson übernimmt immer mehr Aufgaben und zwei Rumäninnen produzieren und generieren Bewegungsmaterial für die beiden ChoreografInnen. Die billigen Arbeitskräfte werden gezeigt, gebraucht und den Auftraggebern gegenübergestellt. Positionen beginnen sich subtil zu verschieben. Bald wird unklar, welche Arbeit nun die wertvollere, welche die billige ist. «Portable life?»«Portable Life?» schlägt eine traumhafte und kaleidoskopische Darstellung des Körpers vor. In einem Versuch, Bilder aus Archiven des klassischen Tanzes mit der Aktualität zu verbinden, erforscht Paulo dos Santos mit Humor die Absurdität einer Welt, die damit beginnt, sich die Frage nach deren Überleben zu stellen. Der bekannte Tod des Schwans des klassischen Registers wird so zur Metapher einer Menschheit in permanenter Auseinandersetzung. «Portable Life? Ich wette auf ein nahes und absurdes Ende. Wie dieser Tod des Schwans, der in tutu getanzt wurde, sowohl schön als auch lächerlich. Ich akzeptiere es, ein wenig von meiner Würde zu verlieren, wenn meine Ideale durch die Wirklichkeit des Hungers aufgeholt werden. Wer wird mich daran hindern, mein Kind in der Ruhe seines Schlafes zu töten, damit es bis zu seinem letzten Hauch unschuldig bleibt? Bis dahin begeistert mich das Leben.»