Highlight Video

Cie. Philippe Saire: «Je veux bien vous croire»
Mit Textpassagen in französischer Sprache Publikumsgespräch: Sa, 2. April im Anschluss an die Vorstellung. Moderation: Brigitte Kasslatter. In französischer Sprache.

Das Chaos auf der Bühne ist selbsterklärend. Es ist der Tag nach dem grossen Sturm, das Fest ist vorbei. Kaputte Schweinwerfer hängen von der Decke herab, eine Diskokugel schwebt über der Bühne langsam hin und her, zerrissene Girlanden und zerstampfte Papierschlangen liegen auf dem Boden herum. Übrig bleibt nur ein weisses Riesenkaninchen, das – nachdem es alles verschlingt, was es an glitzernden Partyfetzen noch so findet – fast daran erstickt und alles wieder rauswürgt. Als die fünf Tänzer – vier Männer, eine Frau – auf der Bühne erscheinen, wollen sie alles wieder gerade biegen. Keine einfache Aufgabe. Eine verkehrt sitzende rote Clownnase, zögernde Steppschritte, banale Zauberstücke, die nicht wirklich gelingen wollen. Die Tänzer versuchen vergeblich, die Zuschauer zu unterhalten und scheinen entsetzt über die Vorstellung, dass ihre Kunst dazu nicht genügen könnte. Erst langsam werden die herumliegenden Objekte wieder zu Instrumenten des Vergessens, und das Fest kann weiter gehen.«Je veux bien vous croire» ist der dritte und letzte Teil der Trilogie Philippe Saires, welche sich der Welt der Unterhaltung und des Vergnügens widmet. Nach «Est-ce que je peux me permettre d’attirer votre attention sur la brièveté de la vie?» (2006) und «Il faut que je m’absente» (2008) ist die neue Kreation Saires die Krönung einer langen Reflexion über unser Verlangen nach Entertainment, unser Bedürfnis, von anderen wahrgenommen zu werden, aber auch über unsere Angst zu verschwinden und diese Welt für immer zu verlassen. «Unersättlich sind wir, jedenfalls einige von uns. Ständig suchen wir nach Neuem, nach (Selbst)Sicherheit, nach Anerkennung. Ständig wollen wir uns in den Vordergrund stellen und extreme Empfindungen verspüren, voller Exaltiertheit und Ruhe zugleich. Wir suchen ständig Unterhaltung. So unersättlich sind wir, dass wir unsere unvollständige Existenz und eine noch zu füllende Leere beargwöhnen.» (Philippe Saire)