Highlight Video

Bruno Beltrão & Grupo de Rua (BR): «H3»: Hip Hop als Kunst im Raum.

So feinfühlig hat man Hip Hop noch nie gesehen. Der Brasilianer Bruno Beltrão ist ein neues Phänomen auf der Tanzbühne. Die neunköpfige, jugendliche Gruppe strahlt eine grosse Aura der Klarheit und Strukturiertheit aus. «H3» ist ein choreografisches Kunstwerk, das uns den Hip Hop als Hochkultur vorführt. «H3» zeigt uns Hip-Hop in der Struktur des zeitgenössischen Tanzes. Der Brasilianer Bruno Beltrão hat den Tanz der Strasse für die Bühne weiterentwickelt, ohne Hip-Hop-Musik und nicht als reine Abfolge akrobatischer Solis, wie wir sie aus den Battles der Szene kennen. Zwar beherrschen auch die neun Tänzer ihre Saltos und spektakulären Sprünge, drehen mit Leichtigkeit ihre Spins auf Kopf und Schultern. In Beltrãos Choreografie werden sie aber so geführt, dass ein kollektives Kunstwerk daraus entsteht.Im düsteren Bühnenraum schimmert eine schwarze Tanzfläche. Strassengeräusche sind hörbar, darauf rast der O-Ton der Schritte und Schuhe, reibt und swingt das sonore Schleifen und Fallen der Bewegung am Boden. Die Tänzer loten mit Duetten, Trios oder Solis den Raum aus. Das 60-minütige Stück steigert sich ganz langsam. Dank Bruno Beltrãos fein ziselierter Choreografie spürt man die Präsenz, die Weite und den Atem der dritten Dimension. Wenn am Ende die neun jungen Brasilianer wie Ufos durch die Luft schwirren, wird klar: Wirkliche Begegnung ist nicht möglich, es bleibt die Einsamkeit im Raum.Mit 30 Jahren hat Bruno Beltrão bereits eine Bilderbuchkarriere hinter sich. Als 13-Jähriger begann er mit Hip-Hop. Zwei Jahre später gründete er seine erste Compagnie. Mit 20 Jahren widmete er sich schliesslich dem zeitgenössischen Tanz und entdeckte sein choreografisches Talent. Mit seiner Grupo de Rua ist er zurzeit auf allen wichtigen Tanzfestivals präsent und sie erobert überall das Publikum im Sturm.