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Andros Zins-Browne (New York, Brüssel): «The Host»

DDrei Cowboys verlieren den Boden unter den Füssen. Andros Zins-Browne bringt den Protagonisten aus dem Mythos von der Eroberung des Westen auf die Bühne, um gegen den Boden anzutanzen, der einfach nicht flach liegen will. Wie lange kann der Mensch sich behaupten, wenn sich die Natur gegen ihn stellt?, fragt der New Yorker. Sein melancholischer Abgesang auf den amerikanischen Helden bewegt sich zwischen Apokalypse und Slapstick. Seit 1903 «The Great Train Robbery» über die Leinwand flimmerte, wird der US-amerikanische Mythos von der Eroberung des (Wilden) Westen im Kino immer wieder von Neuem erzählt. Der Western mag bessere und schlechtere Zeiten gesehen haben, er hat sich variieren und parodieren lassen müssen – aber den Cowboy hat er behalten. Der harte Kerl steht an der Grenze der Zivilisation, vor ihm die Wildnis, die es zu erobern und zu zähmen gilt. Den Prototypen für Männlichkeit, Freiheit, Eroberungs- und Abenteuerlust schickt der New Yorker Performer Andros Zins-Browne nun in «The Host» aufs Neue in den Kampf gegen eine Umwelt, die nicht zu kontrollieren ist.Drei Cowboys mit Cowboy-Hut und Cowboy-Stiefeln würden gerne ihren Cowboy-Tanz vorführen, allein, die Bühne stellt sich gegen sie. Der Raum, der eigentlich als Prototyp einer ganz und gar von Menschen gestalteten Landschaft gesehen werden kann, erweist sich hier als chaotisch, fremd, unberechenbar. Die Bühne gebärdet sich wie ein wildes Pferd, das jedem Versuch, geritten zu werden, geschickt widersteht. Der Boden hebt sich da und dort, wird aufgebläht durch aufblasbare Kissen und Matratzen, die der Künstler Stefan Demming ihm unterlegt hat. Es ist dies eine Art Bouncy Castle, eine Hüpfburg, ähnlich jenem «White Bouncy Castle», wie es William Forsythe und Dana Caspersen 1997 für Art Angel London schufen. Doch anders als die Installation von Forsythe/Caspersen, in der seither an vielen Orten der Welt die Menschen sich von der körperlichen Destabilisierung faszinieren liessen, gilt es diese Hüpfburg zu besiegen. Und anders als all die Kinder, die sich da und dort in den Hüpfburgen auf den Spielwiesen jauchzend dem Auf und Ab hingeben, bestehen die drei Cowboys auf ihrem Tanz und geben nicht auf, bis sie dem letzten Kissen die Luft geraubt haben. Die Ruhe, die ihnen da für ihre Folklore gewährt wird, ist nur jene berühmte Ruhe vor dem grossen Sturm. «The Host» von Andros Zins-Browne liest sich wie eine Parabel auf menschliche Versuche, Umweltprobleme und Naturkatastrophen in Griff zu bekommen.Andros Zins-Browne, 1981 in New York geboren, zog nach seinem Abschluss in Modern Culture und Media an der Brown University 2002 aus den USA nach Brüssel, um bei an der von Anne Teresa de Keersmaeker mitbegründeten Schule P.A.R.T.S. Tanz und Choreografie zu studieren. Seit 2003 wirkte er in verschiedenen Produktionen als Tänzer mit, so u.a. «The Kansas City Shuffle» (2007), einem Performance-Projekt mit ROSAS- Mitglied Sandy Williams, oder in «The Stop Quartet» (2008), einer Choreographie von Jonathan Burrows, sowie als Probenleiter bei William Forsythes Arbeit «Clouds After Cranach» (2005). Während seines Studiums entstanden erste eigene choreographische Arbeiten, z.B. «One for One» (2005) und «Limewire» (2006); 2008 choreografierte er mit professionellen Tänzern und Senioren-Laiendarstellern sein erstes Gruppenstück, «Second Life». Andros Zins-Browne gewann im Juli 2011 den Preis des Goethe-Instituts für «The Host» am Impulse-Festival in Deutschland.FL’Américain Andros Zins-Browne a puisé son inspiration pour «The Host» dans l’état épouvantable du monde dans lequel nous vivons et l’absence de courage écologique dans son pays natal. Après des décennies d’exploitation abusive de l’environnement, l’homme parvient de plus en plus difficilement à le maîtriser. «Nous ne parlons plus de ‚global warming‘ (réchauffement climatique) dans le monde entier, mais de ‚global weirding‘: il se passe partout des choses étranges et inexplicables au niveau de l’environnement», affirme Zins-Browne. Le protagoniste du spectacle est le cow-boy, symbole américain par excellence de l’individu qui domine, exploite et maîtrise tout ce qui l’entoure. Mais combien de temps encore cet affranchi pourra-t-il survivre dans un environnement de plus en plus aliéné? EThe poor state of the world we are living in today and the lack of ecological courage in his homeland encouraged the American choreographer Andros Zins-Browne to create “The Host”. Featuring the cowboy, an outstanding American symbol of the individual that manupilates, controls and uses his environment. The question is however, how long this freebooter can hold his ground while the land around him seems to be turning against him. An overdosis of testosteron on boots, flavoured with slapstick turn The Host into a pleasant tragedy about how we are doing our best to turn this planet into an postapocalyptic environment.